Weil Nachhaltigkeit niemals endet
Experten aus Österreich und Deutschland geben Einblicke in die Praxis der Ressourcenschonung in der Sparte Kfz.
Versicherungen in Österreich haben intensiv begonnen Konzepte im Bereich Schaden zu implementieren. Die Sparte Kfz im Bereich Haftpflicht Versicherungen schauen sich heute nicht mehr die fertige Reparatur und die Rechnung an, sondern besichtigen den Schaden, bevor Reparaturmaßnahmen gesetzt werden und geben diese im Anschluss vor. Ein nachhaltiges Vorgehen wie dieses führt bei der Helvetia Versicherungen AG zu günstigen Reparaturen bzw. zu großen Einsparungen pro Sachverständigen und Jahr. „Richten anstatt Erneuern” und “Anwenden von alternativen Reparatursystemen” ermöglichen nicht nur günstige Reparaturen, sondern auch eine enorme Einsparung an CO2“, erzählt Ferdinand Kerschenbauer. Ferdinand Kerschenbauer ist Chef-Sachverständiger Kfz bei der Helvetia Versicherungen AG und leitete, bevor er Kfz-Sachverständiger wurde, bei einem namhaften Karosseriebetrieb die Bereiche Karosserie und Lack im technischen und kalkulatorischen Bereich. Dank neuartiger Reparaturmethoden kann in den meisten Fällen auf einen Tausch verzichtet werden, meint der Experte: „Stand der Dinge ist das sanfte Instandsetzen. Werkzeuge und Methoden haben sich enorm weiterentwickelt.“ Diese Weiterentwicklung wird auch bei den Werkstätten eingefordert.
„Früher hat die Versicherungswirtschaft vieles toleriert. Bei den heutigen Stundensätzen ist das nicht mehr möglich. Wir nehmen niemandem etwas weg, aber wir haben auch nichts zu verschenken“, so Kerschenbauer.
Im Ergebnis werden ökologische, ökonomische und soziale Vorteile für alle generiert. Der Kunde kommt in den meisten Fällen schneller zu einem reparierten Fahrzeug, weil Teile nicht aus Fernost angeliefert werden müssen und viele Arbeitsstunden anfallen. Die Reparatur ist voll von der Gewährleistung umfasst. „Die Reparaturmethoden sind etabliert, werden angewandt und sind anerkannt“, so Kerschenbauer. Für die Werkstatt selbst erhöht sich der Stellenwert des Handwerkers bzw. Reparateurs, weil dieser wieder sein Handwerk leben kann und Teile wieder reparierfähig sein müssen. CO2-Einsparungen durch Entfall von Produktion, Transport, Volllackierungen etc. können zurzeit nur geschätzt werden, sind aber im Vergleich zum Tausch enorm. Die Bestrebungen der EU im Bereich Nachhaltigkeit und das öffentliche Interesse fordern Hersteller aktuell dazu auf, Akkus, Scheinwerfer & Co wieder reparierfähig zu machen. „Wir haben bisher in einer Wegwerfgesellschaft gelebt, wo auch der Handwerker nur mehr getauscht hat, weil viele Teile nicht repariert werden durften. Die Industrie war stärker und die Politik hat versagt. Jetzt sehen wir eine Trendwende“, pointiert Kerschenbauer.
Eine Frage des Mindsets
Genauso wie in Österreich wird auch in Deutschland immer mehr auf Nachhaltigkeit wert gelegt. „Reparieren statt Tauschen“ wird mehr und mehr die Regel. Jürgen Henschel, Geschäftsführer des Service und Vertriebsnetzwerks CarVita mit Sitz in Hamburg schildert die Situation wie folgt: „Die Herausforderung liegt in einem qualifizierten Werkstattnetz mit freien oder markengebundenen Werkstätten, die Nachhaltigkeit nicht nur als Schlagwort benutzen, sondern auch im täglichen Leben leben“.
Nachhaltigkeit müsse im Denken verankert werden und auch in den Köpfen von Gutachtern, damit diese in ihrem Gutachten nicht nur die einfachste Reparaturmethode berücksichtigen, sondern eben die effektivste und nachhaltigste. Im Glas-Schaden kennen wir alle das Thema Nachhaltigkeit durch den Einsatz von bewährten Reparaturmethoden die einen Steinschlag, da wo es sinnvoll ist, beseitigen. Als angenehmer Nebeneffekt spart der Versicherungsnehmer häufig einen Teil des Selbstbehaltes und reduziert künftige Prämienerhöhungen.
Nachhaltigkeit und Kostenreduzierung gehen Hand in Hand
Nachhaltigkeit hört aber nicht bei der Glasscheibe auf. Analysen haben ergeben, dass bei dem Motto „Reparieren statt Tauschen“ bis zu 28 % der Kosten gegenüber einem Tausch eingespart werden können. Jürgen Henschel ist ein guter Schritt gelungen: „Mit CarVita haben wir zusammen mit unseren Eco-System-Partner ein Nachhaltigkeitsnetzwerk aufgebaut, pflegen und erweitern dies kontinuierlich.“
Im Sinne der Nachhaltigkeit spielt der Zeitaspekt eine wichtige Rolle. Bevor ein Kotflügel oder eine Fahrzeugtür geliefert und verbaut werden kann, vergehen häufig nicht nur Tage, sondern Wochen. Damit verbunden sind u.a. höhere Kosten durch Standzeiten und Mietwagen. Eine Reparatur erhöht durch die Zeitersparnis die Kundenzufriedenheit. Schäden, wo eine Reparatur nur eingeschränkt möglich ist, sollten nicht als Paradebeispiel herangezogen werden, um im Zweifelsfall einen Tausch vorzuziehen. Ebenso ist das Argument: „Meine Leasingfirma schreibt dies vor“, in der Regel nichtzutreffend, wie tausende von Schadenfällen bereits bewiesen haben. Daher der Aufruf von Jürgen Henschel: „Beginnen wir mit unserem Mindset. Denken und handeln wir nachhaltig.“
Positiv gestalten
Mag. Verena Mayer, Leiterin Abteilung Leistung bei HDI Versicherung AG: Der Schadenfall ist als „Moment of Truth“ einer der erfolgskritischsten Kontaktpunkte zwischen dem Versicherer und seinem Endkunden. Gelingt es, diesen Kontaktpunkt positiv zu gestalten, spiegelt sich das in der Kundenzufriedenheit wider. HDI setzt beim Thema Nachhaltigkeit vermehrt auf Sensibilisierung von Vertriebs- und Werkstattnetzpartnern sowie Endkunden. Beim Thema Reparatur statt Tausch vertrauen wir den langjährigen Erfahrungswerten unserer Sachverständigenpartner.
Praxistipps „Reparieren statt Ersetzen“
Einige alternative Reparatursysteme, die Arbeitskosten, Materialkosten und CO2 sparen:
- Geschraubte Blechteile reparieren
- Kunststoff Reparatursysteme für Stoßstangen, Anbauteile uvm.
- Scheinwerfer Reparatursysteme
- Harzsystem Windschutzscheiben
- Zonenlackierung oder punktuelle Lackierung
- Richtige Lackstufe
- Polieren statt Lackieren
- Beilackierungen von angrenzenden Anbauteilen nach Möglichkeit vermeiden
- Sanfte Instandsetzung von Hageldellen, kleineren Parkschäden, Türkantenschläge ohne Lackbeschädigung
- Instandsetzen von Leichtmetallfelgen
- Instandsetzen von Kabelsträngen
Für Details und Rückfragen zu alternativen Reparatursystemen, Werkzeugen und Materialien wenden Sie sich bitte direkt an Ferdinand Kerschenbauer, Chef-Sachverständiger bei Helvetia Versicherungen AG.